DER RICHTIGE GEBURTSORT - TEIL I: KRANKENHAUS

Mit fortschreitender Schwangerschaft kommt die Geburt immer näher und auch die Frage, wo dein Kind zur Welt kommen soll. In Deutschland kommen 98% der Kinder in der Klinik zur Welt, in Dänemark sogar 99%.

Für viele Frauen steht generell außer Frage, ihr Kind woanders als in der Klinik auf die Welt zu bringen. Manche machen sich dazu recht wenig Gedanken, denn oft fehlt die Aufklärung darüber, was es für Alternativen gibt. Welchen Geburtsort man also erstmal für sich auswählt, hängt also ganz oft davon ab, was man aus dem familiären Umfeld oder von Freunden so kennt. Dabei macht es auf jeden Fall Sinn, Erfahrungsberichte zu sammeln und in sich hinein zu hören. Was ist dir wichtig, wo fühlst du dich sicher und geborgen! Die beste Ansprechpartnerin ist auf jeden Fall deine Hebamme. Sie ist die Fachfrau für die Geburt und kann dir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Im besten Fall hat sie außerklinische Erfahrung und kann dir die Vor-und Nachteile aufzeigen. Außerklinische Geburtsorte haben gewisse Voraussetzungen. Nur wenn du und dein Baby diese erfüllen, kommt eine außerklinische Geburt überhaupt in Frage.

In Deutschland werden 98% der Kinder im Krankenhaus geboren, statistisch sind davon 67% der Geburten mit Risiken verknüpft, was zum Beispiel auch schon eine Allergie sein kann. Von diesen 98% werden rund 30% der Kinder per Kaiserschnitt geboren. 1,82% der Kinder werden außerhalb des Krankenhauses im Geburtshaus oder als Hausgeburt geboren, Tendenz in den letzten 5 Jahren deutlich steigend.

Doch welcher Geburtsort ist für dich und dein Baby nun der Richtige? Wir haben nachfolgend mal ein paar Fakten für dich zusammen geschrieben:


Das Krankenhaus: der klassische Geburtsort

Klinikum ist nicht gleich Klinikum. Jedes Krankenhaus und jedes Klinikum hat unterschiedliche Schwerpunkte, eine unterschiedliche Bettenanzahl und nicht jedes Haus hat einen Kreißsaal. Naheliegend bei der Auswahl ist erstmal das nächstgelegene Krankenhaus mit Kreißsaal. Oder ein Babyfreundliches Krankenhaus, wo auf das Bonding und Stillen besonders Wert gelegt wird. Wir empfehlen, sich das Haus bei einem Infoabend mal anzuschauen (in Pandemie Zeiten oft auch digital möglich) und sich die Räumlichkeiten und das Personal näher anzuschauen. Es sind möglicherweise die Räumlichkeiten, wo euer Kind zur Welt kommt. Da sollte das Gefühl schon stimmen. Lasst euch Kreißsaal und ruhig auch die Wochenbettstation zeigen. Es ist wichtig, dass ihr euch dort wohl fühlt. Ihr könnt euch schon vorab mit den neuen S3-Leitlinien vertraut machen und fragen, wie diese Leitlinien hier in der Praxis umgesetzt werden.


Nicht jedes Krankenhaus bringt die gleichen Voraussetzungen für die Betreuung eines Babys mit. Die größeren Kliniken, an denen ein Perinatalzentrum angeschlossen ist, bieten eine bessere intensivmedizinische Versorgung des Kindes nach der Geburt an und sind speziell für Geburten mit einem höherem Risiko gedacht. Ein höheres Risiko besteht bei Frühgeburten oder Kindern, bei denen man im Voraus eine Auffälligkeit festgestellt. Die anderen meist kleineren Kliniken haben eine normale Kinderstation mit Kinderärzten. Dort werden die Standarduntersuchungen durchgeführt; unabhängig davon ob das Baby spontan oder per Kaiserschnitt geboren wurde. Besteht bei eurem Baby kein erhöhtes Risiko, könnt ihr ein Krankenhaus ohne Babyintensivstation in Betracht ziehen.

Im Krankenhaus arbeiten meist festangestellte Hebammen oder Dienstbeleghebammen, die euch im Schichtdienst betreuen. Solltet ihr keine Beleghebamme haben, seid ihr bei eurer Geburt auf das Personal im Kreißsaal angewiesen. Je nach Auslastung könnt ihr euch die Hebamme nicht aussuchen und auch nicht tauschen. Es ist gut, sich vor der Geburt in der Klinik auf einen möglichen Personalwechsel einzustellen. Auch eine 1:1 Betreuung ist selten geworden, nur 16% der Frauen erleben in Kliniken eine 1:1 Betreuung unter der Geburt. Ist euch eine vertraute Person und eine intensive Betreuung wichtig, solltet ihr euch nach einer Beleghebamme umschauen. Leider sind diese in aktuellen Zeiten des massiven Hebammenmangels rar gesät. Wenn ihr eine Beleghebamme gefunden habt, wird sie euch mit den Besonderheiten ihres Hauses vertraut machen. Beleghebammen haben Verträge mit Krankenhäusern, in denen sie “ihre” Frauen unter der Geburt begleiten dürfen. Der große Vorteil einer Beleghebamme ist, dass sie unter der Geburt ganz für euch da ist und kein Personalwechsel stattfindet. Sie wird ca 30 Tage vor dem Geburtstermin für euch rund um die Uhr in Bereitschaft sein. Da jede Beleghebamme unterschiedlich arbeitet ist es sinnvoll zu fragen, ob die Hebamme im Team arbeitet oder bei Krankheit  (oder einer Schicht die länger als 24h dauert) eine Vertretung hat. Die Kosten für eine Beleghebamme werden meist in einer Kostenpauschale erhoben und werden teilweise von den Kassen übernommen.

Es gibt mittlerweile in Krankenhäusern auch hebammengeleitete Kreißsäle. Das ist eine neues Betreuungsmodell, in dem Hebammen eigenverantwortlich gesunde Schwangere betreuen. Eine Übersicht gibt es hier: https://www.hebammenverband.de/familie/hebammen-kreisssaele/ 

Im Krankenhaus kannst du dich zwischen ambulanter und stationärer Geburt entscheiden. Bei der stationären Geburt bleiben Mama und das Neugeborene noch ein paar Tage zur Erholung und Überwachung auf der Wochenbettstation, im Schnitt 3-4 Tage, nach einem Kaiserschnitt etwas länger. Die U1 und U2 werden in der werden immer vor Ort durchgeführt, du hast rund um die Uhr Hilfe und Unterstützung für dich und dein Baby. Die Wochenbettstation ist ein magischer Ort, es kann aber auch recht turbulent zugehen, vor allem wenn du auf einem Mehrbettzimmer bist. Du kannst jedoch in der Regel gehen, wenn deine Wundheilung gut verläuft und sowohl dein Allgemeinzustand als auch der des Babys gut ist.

Nach einer ambulanten Geburt (gewinnt vor allem in Pandemiezeiten immer mehr an Beliebtheit) dürfen Mama und Baby, wenn alles in Ordnung ist, schon ein paar Stunden nach der Geburt nach Hause gehen. Die U1 wird immer noch im Kreißsaal durchgeführt. Die Geburt findet jeweils unter gleichen Bedingungen statt. Solltest du dich für eine ambulante Geburt entscheiden, ist es wichtig dass du zuhause direkt von einer Nachsorgehebamme betreut wirst und dass du die U2 (2-10 Tage nach der Geburt) direkt bei deinem Kinderarzt angemeldet hast. Den Guthie-Test (Stoffwechseltest beim Baby) kann z.B. nicht jede Hebamme zuhause abnehmen, das solltet ihr vorher mit ihr besprechen.



QUELLEN:

https://www.quag.de/quag/geburtenzahlen.htm

http://www.quag.de/quag/empfehlungen.htm

https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/pressemitteilungen_und_statements/pressemitteilung_1010176.jsp

https://iqtig.org/downloads/auswertung/2017/16n1gebh/QSKH_16n1-GEBH_2017_BUAW_V02_2018-08-01.pdf

https://greenbirth.de/images/QUAG_Bericht2019.pdf

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