Ein gelungener Stillstart

Eins vorweg - Eine gute Mutter sein, hat nichts mit dem Stillen zu tun! Du entscheidest immer, was das Richtige für euch und euer Baby ist! Wenn ihr aus irgendwelchen Gründen euer Kind nicht stillen möchten, ist das komplett okay. Du bist die Mama, ihr seid die Eltern und ihr wisst was das Richtige für euer Baby ist.

Wer aber stillen möchte, hat alle Fähigkeiten und Anlagen dazu. Jede Mama und jedes Baby kann stillen (ganz korrekt um die 98%) - wenn du die richtigen Information und ihr die richtige Unterstützung habt. Es gibt nur ganz wenige Problemchen, die das stillen erschweren können. Dazu unten im Text mehr. Es ist wichtig sich auf das Stillen vorzubereiten, aber sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Stillen ist die natürliche Art ein Baby zu nähren, wenn gleich das praktische Vorgehen von der Mama erlernt werden muss. Du und dein Baby, ihr müsst das stillen gemeinsam lernen. Das ist ein Prozess, der Unterstützung, Ruhe und ganz viel Geduld erfordert. 

Stillen ist im Grunde sehr intuitiv, aber das Lernen ist ein Prozess. Wenn man nie vorher gestillt hat, wie soll man dann wissen wie es sich anfühlen soll, wie ein Baby richtig saugt, welche Stellungen es gibt oder wie du Stillproblemen vorbeugen oder sie behandeln kannst? Stillen kann vor allem am Anfang mit viel Arbeit verbunden sein, aber ein guter Anfang ebnet den Weg für eine gute Stillbeziehung. 

Von Anfang an

Deine Brust bereitet sich in der Schwangerschaft ganz ohne dein Zutun optimal darauf vor, Nahrung für dein Baby zu produzieren. Hormone sorgen dafür, dass die Brüste an Umfang zunehmen, Montgomery-Drüsen gebildet und die Warzenhöfe größer und dunkler werden. Der Kontrast erleichtert deinem Neugeborenen die Warzenhöfe und damit die Nahrungsquelle nach der Geburt sofort zu erkennen. Optimalerweise legst du dein Baby direkt nach der Geburt (oder so früh wie möglich) an oder lässt es von ganz alleine zu deiner Brust robben (“Breast Crawl” genannt). Enger Haut-Haut Kontakt in den ersten 1-2 Stunden nach der Geburt führt zur Ausschüttung des Liebeshormons Oxytocin und erleichtert den Stillstart. Lass dir das richtige Anlegen, die optimal Saugtechnik des Babys und unterschiedliche, für dich bequeme Stillpositionen zeigen. Stille am Anfang so oft wie möglich, um die Milchproduktion in Gang zu setzen. Dein Baby wird am Anfang nur sehr wenig trinken und dafür lange brauchen. Stille nach Bedarf und folge deinem Gefühl. Rufe am Anfang ruhig jedes Mal die Hebamme oder Krankenschwester hinzu, es ist wichtig Hilfe zu bekommen. Das Fachpersonal hat so viele Tipps und Tricks auf Lager, die dir und deinem Baby den Start erleichtern können. Am Ende geht es viel darum, spielerisch auszuprobieren, zu üben, unterschiedliche Positionen zu testen, Ruhe und Geduld zu bewahren und dem eigenen Gefühl zu vertrauen.

Die drei besten Tipps für einen guten Stillstart sind eine Mischung aus den Empfehlungen unserer Hebamme Julia, guter Literatur und unserer eigenen Erfahrung:

  1. Richtig anlegen
  2. Oft genug anlegen
  3. Ruhe, Gelassenheit und Geduld, Geduld, Geduld

Stillen von Anfang an

    Richtig Anlegen

    Nachfolgenden werden die wichtigsten Punkte kurz und knackig erklärt:

    Gutes Anlegen ist die Basis für euren Stillerfolg. Die Kennzeichen von gutem Anlegen und einer bequemen Stillposition sind, dass du dich beim Stillen entspannen kannst, stillen nicht weh tut, dein Baby effektiv trinken kann und deine Brustwarzen dabei nicht belastet werden. Am Anfang wirst du etwas länger brauchen, um dich und dein Baby in die richtige Position zu bringen. Deshalb macht es Sinn mit dem Stillen zu starten, wenn dein Baby nur leichte Hungerzeichen zeigt und noch relativ entspannt ist. So gelingt es dir: 

    Mach es dir und deinem Baby gemütlich

    Suche dir eine bequeme Position und stütze deine Beine, Arme und Schultern von allen Seiten mit Kissen oder ähnlichem. Du solltest dich einfach fallen lassen können. Dein Baby sollte mit seinem Körpergewicht auf dir liegen, seine Arme “umarmen” deine Brüste. Dein Baby sollte mit seinem ganzen Körper in Kontakt zu deinem Körper oder irgendwelchen Kissen sein. So fühlt es sich sicher.

    Körperkontakt 

    In den meisten Stillpositionen habt ihr engen Körperkontakt, wenn es möglich ist versuche Haut auf Haut zu stillen, das fördert die Hormonausschüttung und die Milchproduktion. 

    Wie anlegen?

    Positioniere das Näschen deines Babys leicht unter oder auf Höhe der Brustwarze. Von dieser Position muss das Baby sein Köpfchen leicht in den Nacken legen und den Mund weit öffnen, um die Brust optimal zu fassen (...als würde dein Baby in einen Burger beißen ;)). Achte darauf, dass beim Trinken der Rücken und Hinterkopf deines Babys in einer Linie sind. Dein Baby sollte deine Brustwarze und so viel wie möglich vom Warzenhof mit seinem Mund umschließen. So hat deine Brustwarze in seinem Mund die richtige Position, es entsteht ein optimaler Unterdruck und die Nase deines Babys liegt zum atmen frei. Wenn deine Brust prall und gespannt ist, ist es für dein Baby nicht so einfach die Brust zu fassen. Du kannst deinem Baby helfen, indem du die Brust einige Zentimeter entfernt von der Brustwarze mit deinem Daumen und Zeigefinger faltest und so deinem Baby anbietest. So kann dein Baby einfacher viel Brust zwischen seine Kiefer nehmen. Lasse die Brust los, sobald dein Baby die Brust gut im Mund hat. Ist deine Brust sehr prall, hilft es ein paar Tropfen Muttermilch auszustreichen um damit die Brust weicher zu machen. Lass dir diese Technik von deiner Hebamme zeigen.

    Wie kann ich erkennen, ob mein Baby richtig saugt?

    • Baby hat einen großen offenen Mund
    • Unterlippen geht nach unten - kein Kussmund
    • Keine “Löcher an den Wangen”
    • Schluckbewegungen sind am Hals zu sehen
    • Wenn ihr fertig mit stillen seid, soll deinen Brustwarze rund sein, nicht spitz wie deinen Lippenstift. Wenn der Brustwarze so aussieht, ist sie nicht weit genug hinten im weichen Gaumen.
    • Viele Babys haben nach dem “richtigen” trinken eine Saugblase an der Oberlippe

    Positionen wechseln

    Grundsätzlich kann in jeder Position gestillt werden. Du wirst aber schnell deine 2-3 Lieblingspositionen finden. In der Regel wird da, wo die Unterlippe deines Babys ist, die Brust am Besten entleert. Gerade am Anfang ist es deshalb empfehlenswert, die Positionen zu wechseln um die Brust richtig zu entleeren, aber auch wiederum richtig zu stimulieren. Hat dein Baby die Brust gut erfasst und trinkt effektiv, muss nicht bei jedem Stillen die Position verändert werden. Wichtig ist, dass du dich in der Stillposition auch gut entspannen kannst. Nur so kannst du die vielen Stillstunden auch genießen! Ein guter alter Hebammentipp besagt: Kind zur Brust, nicht Brust zum Kind! Hier kannst du dir anschauen, welch unterschiedliche Stillpositionen es gibt: https://www.still-lexikon.de/stillpositionen/ 

    Entleeren das Brust

    Wenn die Brust richtig entleert wird, bildet sich die Milch besser und die Milchmenge steigt. Interessant zu wissen: Die Zusammensetzung der Milch variiert während eines Stillvorgangs, aber auch zwischen den Stillintervallen. Zu Beginn eines Stillvorgangs oder wenn das Baby nur kurz trinkt erhält das Baby erstmal die Milch, die den Durst löscht - mit hohem Wasser und Laktoseanteil und wenig Fett. Je weiter die Brust entleert wird, desto mehr steigt der Fettgehalt der Milch. Die gute Sahne, die das Baby satt und zufrieden macht, kommt zum Schluss. Die Brust richtig zu entleeren ist auch wichtig, um einen Milchstau vorzubeugen. Wenn du sehr viel Milch hast, kannst du die Milch, die aus der nicht gestillten Brust mit herausläuft, mit einem Milchauffangbehälter auffangen und für später Aufbewahren.

    Ein Video für alle Fälle

    Dieses Video hat uns zu Beginn unserer Stillzeit sehr geholfen. Es wird von vielen Hebammen in Dänemark und Deutschland empfohlen, weil es einfach und unmittelbar die Basics sowie die häufigsten Probleme kommuniziert. Anschauen lohnt sich! 

     Quelle: Global Health Media Project

    Wie oft soll ich Anlegen?

    In den ersten Tagen dürft ihr euer Baby jedes Mal anlegen, wenn es nach der Brust sucht, mindestens 8-12 Mal in 24 Stunden. Abstände von 1 bis 3 Stunden sind völlig normal, nach einer langen, anstrengenden Geburt kann es gut sein, dass dein Baby erstmal eine längere Ruhephase braucht. Die Trinkmenge variiert von Baby zu Baby und große Portionen kann dein Baby am Anfang noch gar nicht verarbeiten, weshalb die erstmal verfügbare Menge des Kolostrums optimal auf den Bedarf abgestimmt ist. Die Magenkapazität deines Babys entspricht am ersten Tag 1 Teelöffel, am dritten Tag 5-6 TL. Wie oft dein Baby trinken will und wie lange es dafür braucht ist sehr individuell. Im Wesentlichen ist es nur wichtig, dass dein Baby genug hat, um nach dem stillen zufrieden zu sein und in 24h genug Muttermilch erhält, um an Gewicht zuzulegen. Oft anlegen und viel Körperkontakt verwöhnt dein Baby nicht, sondern stärkt eure Bindung, reguliert die Hormonproduktion und hilft deinem Baby die Körpertemperatur zu regulieren.

    Textquellen

    https://www.lalecheliga.de 

    Pharmazeutische Zeitung https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-052011/zu-viel-prolactin-ist-ungesund/ 

    Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) https://www.afs-stillen.de/fuer-muetter/infos-rund-ums-stillen/stilltipps-fuer-den-stillstart/ 

    Buch: Intuitives Stillen, Regine Gresens

    Still Lexikon https://www.still-lexikon.de 

    https://www.vonguteneltern.de/unterstuetzung-beim-stillen-von-grosser-bedeutung/ 

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